• Jasmin Korper

Antagonisten sind wichtiger als Protagonisten

Ich weiß, die Überschrift hört sich seltsam an. Aber ich kann ganz klar sagen: Für mich ist ein gut geschriebener Antagonist wichtiger als der Protagonist. Jetzt fragt ihr euch mit Sicherheit: Warum? Man fiebert doch mit den Guten mit und hofft auf ein Happy End.


Ein Protagonist kann noch so gut geschrieben sein, wenn der Antagonist „schwach“ oder unlogisch wirkt, schwächt dies auch den Helden der Geschichte. Denn die Spannung baut sich nur auf, wenn die stetige Gefahr vorhanden ist, dass unsere Helden ihr Ziel doch nicht erreichen könnten und scheitern. Wir wollen unsere Helden an ihre Grenzen sehen gehen, sie müssen straucheln, Fallen, weiter kämpfen.


Aber was macht einen guten Antagonisten aus?


Ein Antagonist braucht seine Prinzipien, er muss nach etwas Handeln und ein Ziel verfolgen. Mir ist es wichtig, dass diese Ziele nicht einfach nur das Böse sind, es sollte einen tieferlegenden Grund dafür geben. Wenn diese Prinzipien sogar für den Leser (zum Teil) nachvollziehbar sind und man sich selbst in den Bösewicht hinein versetzten kann, macht es diesen nochmal ein Stück greifbarer. Bei vielen Antagonisten verstehe ich den Grund für ihr Handeln, nur die Umsetzung ist häufig zu radikal. Leider kommt es in Büchern häufig vor, dass Bösewichte reine Klischees sind. Aber da macht es sich der Autor / die Autorin zu einfach. Es reicht nicht, wenn jemand nur die Welt zerstören oder Chaos stiften will. Das ist langweilig und nicht kreativ. Deswegen braucht jeder Bösewicht auch eine Hintergrundgeschichte, welche ausführlich beschreibt, wie es dazu kam, dass er seine Prinzipien auf eine besonders radikale Weise durchsetzten möchte. Dies liefert einen Blick in die Gedankenwelt und lässt uns die Vorgehensweise noch etwas besser verstehen.


Oft zeigen uns die Antagonisten auch auf, dass unser strahlender Held auch seine Macken hat und nicht immer nur gut ist. Es werden moralische Fragen aufgeworfen, vergleiche gezogen und wenn der Antagonist besonders gut geschrieben ist, bringt er auch den Protagonisten das ein oder andere Mal an dem eigenen Weg und den Prinzipien zweifelt.


Besonders Spaß macht das Lesen, wenn Antagonisten und Protagonisten sowohl gute als auch schlechte Seiten haben, es darf nicht immer alles schwarz und weiß sein. Denn so ist das Leben einfach nicht, jemand der nur schlechte Entscheidungen trifft, kann auch mal etwas Gutes tun und anders herum. Das macht die ganze Geschichte noch unvorhersehbarer und birgt neue spannende Wendungen.


Viele Bücher, die mir gut gefallen haben, haben einen besonderen und ausdrucksstarken Gegenspieler. Welche das genau sind und warum sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, werde ich euch ein anderes Mal erzählen.

Eure


Eisblaue Eule

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