• Jasmin Korper

Der rote Apfel

Autorin Mi-Ae Seo



Was macht ein Serienmörder zu einem Serienmörder? Ist es Veranlagung oder doch die Erziehung und das Umfeld? Dies ist eine der Fragen, die Kriminalpsychologen schon immer beschäftigt. Doch bis heute gibt es keine klare Antwort darauf.


Um was geht’s?


Der Serienmörder Lee Byongdo möchte mit niemanden über seine Taten reden. Einige hat er gestanden, doch andere liegen noch im Verborgenen. Er ist bereits zum Tode verurteilt, als er sich bereit erklärt, über die Morde zu sprechen. Sein Wunsch ist es, nur mit der jungen Psychologin Sonkyong zu sprechen. Im Gegenzug möchte er einen saftigen, reifen Apfel. Bei jedem Treffen öffnen sich Sonkyong tiefere Abgründe in die menschliche Seele und sie erkennt, dass gebrochene Seelen gefährlich sind.


Rezension


Ich muss gestehen, „Der rote Apfel“ hat mich überrascht. Ich hatte zunächst etwas ganz anderes erwartet, aber dieser ruhige, stille Thriller hat mich in einer weise gefesselt, wie es kaum ein Buch bisher geschafft hat.

Die Charaktere sind penibel ausgearbeitet und jeder für sich besonders. Sie haben Ecken und Kanten, reagieren manchmal logisch, manchmal emotional. Mit der Protagonistin Sonkyong konnte ich mich gut identifizieren, sie liebt ihre Arbeit als Kriminalpsychologin, liebt ihren Ehemann und versucht unbefangen mit dem verurteilten Lee Byongdo zu arbeiten. Viele Passagen der Vergangenheit von Lee Byongdo sind aus der Ich-Perspektive geschrieben, man bekommt zu dem Serienmörder dadurch einen besonderen Bezug. Die große Frage „Was macht einen Menschen zum Mörder“ wird dadurch aus einer ganz besonderen Perspektive beleuchtet. Man fühlt, leidet und quält sich mit ihm.


Dieser Thriller ist wie oben geschrieben nicht laut, blutig und brutal. Viel mehr schleicht sich beim Lesen ein Kribbeln, ein Unwohlsein und eine Sorge ein. Gewisse Dinge ahnt man schnell und bettelt innerlich, dass man selbst Unrecht hat. Aber obwohl man schon vermutet was passiert schadet das diesem Thriller nicht. Viel mehr ist es ein Stilmittel, dass die Spannung nur noch ansteigend lässt. Ich wollte so oft die Protagonistin wachrütteln, betete dass sie erkennt was ich schon weiß.


Ich gehe hier bewusst nicht besonders auf die Geschichte ein, ich möchte nicht zu viel vorab verraten.


Lesenswert


Mia-Ae Seo hat mich mit ihrem Thriller „Der rote Apfel“ komplett überzeugt, obwohl ich eine ganz andere Art Thriller erwartet hatte. Für mich ist dieses Buch eines meiner Jahreshighlights und wird einen besonderen Platz in meinem Regal bekommen. Wenn ihr euch auf einen ungewöhnlichen Thriller einlassen möchtet, dann ist „Der Rote Apfel“ genau richtig!


Cover und Klappentext

Der rote Apfel


Das Cover ist ungewöhnlich für einen Thriller, zwar sind einige Bluttropfen zu sehen, ansonsten dominieren eine Apfelblüte und einige Blätter. Es ist nicht besonders auffällig, aber schön und passt gut zu der Geschichte, die das Buch erzählt.

Der Klappentext ist kurz und knapp, gab mir aber ein anderes Bild als das, was mich letztendlich im Buch erwartet hatte. Der zweite Klappentext auf der Innenseite geht etwas genauer auf das Geschehen ein, diesen habe ich aber erst gelesen als ich das Buch beendet hatte.


Grundsätzliche Infos zum Buch


Erschienen im Heyne Verlag

https://www.randomhouse.de/Paperback/Der-rote-Apfel/Mi-Ae-Seo/Heyne/e553524.rhd

ISBN: 978-3-453-42335-0

Übersetzerin: Ki-Hyang Lee

Umschlaggestaltung: Laura Fronterré

Preis: 12,99 €

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