• Jasmin Korper

Der Spaß am Gruseln oder was ein gutes Horror Buch haben muss

Der Oktober steht bei mir immer im Zeichen des Gruselns und des Horrors, gerade in dieser Zeit blüht meine liebe für brutale Killer und den eiskalten Schauer auf dem Rücken richtig auf. Und ich entdecke dabei oft, dass es für mich nicht mehr reicht, wenn es nur um Brutalität geht.

Früher in meiner Jugend (jetzt höre ich mich schon sehr alt an), liebte ich Bücher und Filme, in denen gemordet wurde, gerne auf besonders absurde oder kreative Art. Mir war es egal, ob der Täter ein besonderes Motiv hatte, ob die Story gut durchdacht war, oder ob die Charaktere gut ausgearbeitet waren. Aber in den letzten Jahren hat sich da einiges bei mir geändert.

Für mich ist es sehr wichtig geworden, dass der Antagonist einen guten Grund hat, dass zu tun was er eben tut. Ich gebe mich nicht mehr mit simplen Begründungen, wie „Täter xy ist einfach das pure Böse“ zufrieden. Ich möchte genau wissen, was die Person dazu getrieben hat, brutal, gefährlich und gnadenlos zu werden. Denn es gibt niemanden auf der Welt, der Böse geboren wird. Natürlich ist es eine Mischung aus unseren Genen (manche Menschen haben von Grund her ein höheres Aggressionslevel als andere) und unserer Umwelt. Schule, Freunde, Familie haben einen großen Einfluss auf unsere Entwicklung. Ich möchte verstehen was der Antrieb ist und in gewisser Weise auch die Beweggründe nachvollziehen können. Gerade eine nachvollziehbare Sicht des Bösewichts verleiht einer Geschichte nochmal den gewissen Reiz.

Dann möchte ich auch Charaktere haben, die nicht nur ein Klischee sind. Leider ist es in vielen Bereichen der Horrorliteratur noch verbreitet, mit dem typischen Schubladendenken zu arbeiten. Es braucht keine dumme vollbusige Blondine. Es gibt genug starke, erfolgreiche und schlaue blonde Frauen, nutzt doch auch mal dieses Bild. Gebt uns unterschiedliche Charaktertypen, die auch unvorhersehbar handeln, mit denen man mitfühlt und die sich nicht einfach nur austauschbar und wie billige Statisten anfühlen. Lasst die Opfer kämpfen, stark sein und sich wehren. Ohne den gewissen Nervenkitzel ist die Jagd nicht zufriedenstellend.

Inzwischen müssen Bücher auch nicht mehr übermäßig brutal oder blutig sein, mir gibt ein starker Psychohorror inzwischen viel mehr. Natürlich lese ich zwischendrin auch gerne noch das ein oder andere „hirnlose“ Horror-Buch, einfach zum Abschalten. Da achte ich dann auch nicht darauf, ob die Story besonders gut ist, oder der Antagonist logisch handelt. Hier ist es wohl genauso, wie mit den Horrorfilmen. Wenn ich nur nebenher schaue, darf es gerne auch mal was Stumpfsinniges sein, eben ein Splatterfilm. Aber wenn ich hineintauchen will, in eine Geschichte, das Böse sehen und fühlen will, dann muss es ein Film sein, der tiefer in die Materie eintaucht.

Ich freue mich deswegen umso mehr, wenn ich unter den sehr vielen neuen Horrorbüchern eines finde, dass einen starken Antagonisten, eine unvorhersehbare Geschichte und mutige Protagonisten aufweist. Denn genau dadurch bekomme ich den von mir so geliebten eisigen Schauer über meinen Rücken.

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